Ein Prozessmodell für kreatives Arbeiten in Coaching, Bildung und Beratung
In den vergangenen Jahren durfte ich unzählige Menschen in kreativen Prozessen begleiten. Immer wieder habe ich erlebt, wie Malen, Zeichnen oder Gestalten neue Perspektiven eröffnen können – vorausgesetzt, diese Prozesse werden professionell begleitet. Aus dieser Erfahrung ist mein Buch entstanden: „Kunstbasiert begleiten – Ein Prozessmodell für kreatives Arbeiten in Coaching, Bildung und Beratung“.
Das Buch stellt ein praxiserprobtes 5-Phasen-Modell vor, das Fachkräften Orientierung und Sicherheit im Einsatz kreativer Methoden bietet. Es zeigt, wie kreative Prozesse verantwortungsvoll gestaltet werden können – ohne Bilder zu interpretieren und ohne therapeutische Grenzen zu überschreiten. Es richtet sich an Coaches, Berater:innen, Pädagog:innen, Trainer:innen und alle, die Menschen mit kreativen Methoden begleiten möchten.
Ich freue mich sehr darauf, das Buch mit euch zu teilen. Es ist der erste Band einer Trilogie über kreative Gestaltungsprozesse. Band 2 beschäftigt sich mit der Frage, wie Materialien Prozesse prägen, Band 3 dreht sich um die Bedeutung von Räumen.
Weitere Einblicke in die Kunstbasierte Begleitung teile ich in der nächsten Zeit hier.
Sich seiner selbst bewusst sein bedeutet zunächst, wahrzunehmen, was man empfindet, möchte, braucht, entscheidet und tut. Dazu gehört auch, die eigene Wirkung zu erleben und Unterschiede zwischen eigenen Vorstellungen und den Erwartungen anderer erkennen zu können.
Wenn wir von Grenzen sprechen, denken wir schnell an Abwehr: „Bis hierhin und nicht weiter.“ Doch Grenzen haben noch eine andere Funktion. Sie schaffen Orientierung. Sie unterscheiden Eigenes von Fremdem und ermöglichen überhaupt erst einen geschützten Raum, innerhalb dessen wir handeln können.
Elternwerden ist ein tiefgreifender Entwicklungsprozess. Vorfreude und Verbundenheit können ebenso dazugehören wie Unsicherheit, Kontrollverlust, widersprüchliche Erwartungen oder die Frage: Wer bin ich jetzt – und wer möchte ich als Mutter oder Vater sein?
Wenn jemand draußen mit Blättern, Ästen, Steinen, Erde oder Wasser gestaltet, verhält sich die Umgebung nicht neutral. Wind bewegt etwas, Regen verändert Materialien, ein Ast lässt sich nicht beliebig formen, der Untergrund ist uneben, Licht und Temperatur wechseln
Stress gehört zum Leben. Das klingt zunächst wenig tröstlich, ist aber biologisch betrachtet ziemlich sinnvoll. Stress mobilisiert Energie. Er macht uns aufmerksam. Er bereitet den Organismus darauf vor, schnell zu reagieren. Problematisch wird es dort, wo aus einer kurzfristigen Aktivierung ein Dauerzustand wird.
Vielleicht verändert das Alter nicht nur den Menschen. Vielleicht verändert es auch die Fragen, die ein Mensch an sein Leben stellt. Und genau dort kann kreatives Gestalten einen Raum eröffnen, in dem nicht Antworten im Vordergrund stehen, sondern neue Erfahrungen.
Kinder müssen Kreativität nicht lernen. Sie bringen sie mit. Die eigentliche Frage lautet deshalb: Wie können wir verhindern, dass wir sie ihnen ungewollt aberziehen?
Wer Kindern beim Spielen zusieht, entdeckt etwas Erstaunliches. Ein Ast wird zum Zauberstab. Ein Karton verwandelt sich in ein Raumschiff. Ein paar Steine werden zu einer ganzen Stadt
Wir gehen häufig davon aus, dass Erkenntnis vor allem durch Denken entsteht: erst verstehen, dann handeln. Doch unser Gehirn arbeitet selten in dieser geordneten Reihenfolge. Es sammelt Erfahrungen, reagiert auf Wahrnehmungen, prüft Möglichkeiten und verändert fortlaufend seine eigenen Modelle der Welt. Mit anderen Worten: Wir denken durch Erfahrungen. Genau hier eröffnet kunstbasierte Begleitung eine zusätzliche Möglichkeit. Sie ersetzt kein Gespräch, aber sie ergänzt es.
„Ich kann gar nicht malen.“ Diesen Satz höre ich regelmäßig. Und fast immer folgt ihm ein entschuldigendes Lächeln – als müsste man sich dafür rechtfertigen, nicht kreativ genug zu sein. Dabei beginnt genau hier ein Missverständnis. Kunstbasierte Begleitung setzt weder künstlerisches Talent noch gestalterische Erfahrung voraus. Sie interessiert sich nicht dafür, ob ein Bild schön ist oder technisch überzeugt. Entscheidend ist etwas anderes: der Prozess.
Manchmal genügt ein Blatt Papier. Es liegt einfach da. Weiß. Still. Es fordert nichts. Und doch geschieht etwas Merkwürdiges. Die eine Person greift sofort nach einem Stift. Eine andere betrachtet das Blatt lange, als müsste sie erst eine Erlaubnis finden. Wieder jemand anders dreht es um, legt es zur Seite oder beginnt ein Gespräch, bevor überhaupt ein erster Strich entsteht.