Kluge Ideen für ein bunteres Leben
 Kluge Ideen für ein bunteres Leben

Kunstbasierte Begleitung

Ein Prozessmodell für kreatives Arbeiten in Coaching, Bildung und Beratung

 

 

In den vergangenen Jahren durfte ich unzählige Menschen in kreativen Prozessen begleiten. Immer wieder habe ich erlebt, wie Malen, Zeichnen oder Gestalten neue Perspektiven eröffnen können – vorausgesetzt, diese Prozesse werden professionell begleitet. Aus dieser Erfahrung ist mein Buch entstanden: „Kunstbasiert begleiten – Ein Prozessmodell für kreatives Arbeiten in Coaching, Bildung und Beratung“.

 

Das Buch stellt ein praxiserprobtes 5-Phasen-Modell vor, das Fachkräften Orientierung und Sicherheit im Einsatz kreativer Methoden bietet. Es zeigt, wie kreative Prozesse verantwortungsvoll gestaltet werden können – ohne Bilder zu interpretieren und ohne therapeutische Grenzen zu überschreiten. Es richtet sich an Coaches, Berater:innen, Pädagog:innen, Trainer:innen und alle, die Menschen mit kreativen Methoden begleiten möchten.

 

Ich freue mich sehr darauf, das Buch mit euch zu teilen. Es ist der erste Band einer Trilogie über kreative Gestaltungsprozesse. Band 2 beschäftigt sich mit der Frage, wie Materialien Prozesse prägen, Band 3 dreht sich um die Bedeutung von Räumen.

 

Weitere Einblicke in die Kunstbasierte Begleitung teile ich in der nächsten Zeit hier.

 

 

Malen ohne Bewertung.

Ein Blatt Papier hängt an der Wand. Farben und Pinsel stehen bereit. Ein Mensch beginnt zu malen. Niemand fragt, was das Bild bedeutet. Niemand bewertet, ob es gelungen ist. Niemand schlägt vor, an welcher Stelle noch etwas ergänzt werden könnte. Diese Situation könnte auf den ersten Blick sowohl in einer kunstbasierten Begleitung als auch in einem Malort nach Arno Stern stattfinden. Tatsächlich gibt es bemerkenswerte Berührungspunkte. 

Wie frei ist freies Gestalten wirklich?

Ein Kind zeichnet einen Baum. Der Stamm ist violett, die Äste reichen weit über das Blatt hinaus und die Blätter bestehen aus großen roten Flächen. Eine erwachsene Person könnte darauf hinweisen, dass Baumstämme normalerweise nicht violett sind und Blätter anders aussehen. Sie könnte aber auch zunächst betrachten, was das Kind tatsächlich gestaltet hat. Dieser Unterschied erscheint klein. Tatsächlich berührt er eine grundlegende Frage der Kunstpädagogik: Soll künstlerisches Gestalten vor allem die möglichst richtige Darstellung der sichtbaren Welt vermitteln, oder darf es ein eigenständiger Ausdruck menschlicher Wahrnehmung und Vorstellung sein?

Kunstbasierte Begleitung und Erlebnispädagogik.

Die moderne Erlebnispädagogik ist mit unterschiedlichen historischen Entwicklungen verbunden. Zu ihren wichtigen Vertretern gehört Kurt Hahn (1886–1974), der unter anderem die Entwicklung von Outward Bound prägte. Erlebnispädagogische Angebote nutzen konkrete, häufig herausfordernde Handlungssituationen, in denen Menschen Aufgaben bewältigen, zusammenarbeiten und eigene Möglichkeiten erkunden. Dazu gehören beispielsweise Aktivitäten in der Natur, Kooperationsaufgaben, handwerkliche Vorhaben und andere Formen praktischen Handelns. 

Zwischen künstlerischer Erfahrung, Entwicklung und Selbstbestimmung.

Die Waldorfpädagogik versteht künstlerische Bildung als Teil eines umfassenden Entwicklungskonzepts. Kunstbasierte Begleitung nutzt gestalterische Prozesse, um individuelle Erfahrungen zugänglich zu machen und gegebenenfalls mit persönlichen Anliegen in Beziehung zu setzen. Daraus ergibt sich die Leitfrage dieses Beitrags: Welche Bedeutung hat künstlerisches Gestalten für die Entwicklung eines Menschen – und wer entscheidet, welche Bedeutung eine Erfahrung erhält?

Hilf mir, es selbst zu tun.

Räume und Materialien bestimmen nicht, was ein Mensch erlebt. Aber sie beeinflussen, welche Handlungen leicht zugänglich sind und welche Möglichkeiten zunächst außerhalb seiner Reichweite bleiben.

Was kann kunstbasierte Begleitung von der Reggio-Pädagogik lernen?

Ein Kind findet auf dem Boden ein Stück Draht. Es biegt ihn, betrachtet die entstandene Form und legt sie neben einen Stein. Ein zweites Kind kommt hinzu, verändert die Anordnung und ergänzt ein Stück Holz. Aus einzelnen Fundstücken entsteht etwas Gemeinsames, das zunächst weder einen Namen noch ein festgelegtes Ziel besitzt.
Eine pädagogische Fachkraft beobachtet das Geschehen. Sie greift nicht sofort ein, erklärt nicht, was die Kinder bauen, und schlägt auch keine fertige Lösung vor. Stattdessen interessiert sie sich dafür, welche Fragen die Kinder mit ihren Handlungen verfolgen, welche Beziehungen sie zwischen den Materialien entdecken und wie sich ihre Ideen entwickeln. 

Kunstbasiert Begleiten. Band 1.

Ab jetzt im Buchhandel oder online erhältlich.

Mehr als draußen sein.

Natur wird häufig mit Ruhe, Erholung und Wohlbefinden verbunden. Ein Wald soll beruhigen, das Meer den Kopf freimachen und ein Garten neue Kraft geben. Solche Erfahrungen gibt es. Aber sie sind nicht selbstverständlich. 

Wenn der Kopf nicht zur Ruhe kommt.

Kunstbasierte Begleitung bietet hier einen anderen Zugang. Sie versucht nicht, das Denken auszuschalten, sondern schafft einen Erfahrungsraum, in dem die Aufmerksamkeit wieder zwischen Denken, Wahrnehmen und Handeln wechseln kann.

 

Kunstbasierte Begleitung zur Berufsorientierung.

Die Frage „Welcher Beruf passt zu mir?“ ist ausgesprochen komplex. Denn ein Beruf besteht nicht nur aus Tätigkeiten. Ebenso wichtig sind Arbeitsumgebung, Autonomie, soziale Kontakte, Verantwortung, Sicherheit, Abwechslung, Tempo, körperliche Anforderungen oder die Frage, wie viel Gestaltungsspielraum jemand braucht.

Kreativität entsteht nicht auf Knopfdruck.

„Seid gerne kreativ.“ Kaum eine Aufforderung ist so gut gemeint und gleichzeitig so wenig hilfreich. Denn wer in diesem Moment keine Idee hat, bekommt nun zusätzlich eine Aufgabe: nicht nur etwas zu gestalten, sondern bitte auch noch etwas Originelles. Schon beginnt die Suche nach der guten Idee. Was könnte interessant aussehen? Was machen die anderen? Ist meine Idee kreativ genug? Und plötzlich geschieht genau das Gegenteil von dem, was eigentlich beabsichtigt war. Statt Offenheit entsteht Druck. 

Wenn alles zu viel wird.

Manchmal ist es nicht das große Problem, das uns überfordert. Es sind die vielen kleinen Dinge gleichzeitig. Noch eine Entscheidung. Noch eine Nachricht. Noch etwas, das erledigt werden muss. Dazu Erwartungen, Möglichkeiten und die Frage, womit man eigentlich anfangen soll. Irgendwann wird selbst eine einfache Entscheidung schwierig. 

Werte- und Bedürfnisarbeit in der Kunstbasierten Begleitung.

Kunstbasierte Begleitung schafft dazu Erfahrungsräume, in denen Menschen wahrnehmen, auswählen und erproben können, was sich für sie stimmig anfühlt, was ihnen wichtig ist und wovon sie mehr oder weniger brauchen. 

Selbstbewusstsein stärken: Was kreative Prozesse dazu beitragen können.

Sich seiner selbst bewusst sein bedeutet zunächst, wahrzunehmen, was man empfindet, möchte, braucht, entscheidet und tut. Dazu gehört auch, die eigene Wirkung zu erleben und Unterschiede zwischen eigenen Vorstellungen und den Erwartungen anderer erkennen zu können.

Grenzen erkennen und setzen mit kunstbasierter Begleitung. 

Wenn wir von Grenzen sprechen, denken wir schnell an Abwehr: „Bis hierhin und nicht weiter.“ Doch Grenzen haben noch eine andere Funktion. Sie schaffen Orientierung. Sie unterscheiden Eigenes von Fremdem und ermöglichen überhaupt erst einen geschützten Raum, innerhalb dessen wir handeln können.

 

Was bietet kunstbasierte Begleitung zum Thema Jobverlust?

Der Verlust eines Arbeitsplatzes betrifft häufig weit mehr als Einkommen und berufliche Aufgaben. Er kann Tagesstruktur, soziale Zugehörigkeit, Selbstwert, Zukunftsvorstellungen und das eigene Rollenverständnis erschüttern.

 

Funktioniert kunstbasierte Begleitung auch mit Gruppen?

Ja. Kunstbasierte Begleitung funktioniert sehr gut mit Gruppen – allerdings verändert sich der Prozess gegenüber der Einzelbegleitung deutlich. In einer Gruppe kommt ein weiterer „Mitspieler“ hinzu: das System Gruppe selbst.

Kunstbasiert begleiten in der Natur.

Wenn jemand draußen mit Blättern, Ästen, Steinen, Erde oder Wasser gestaltet, verhält sich die Umgebung nicht neutral. Wind bewegt etwas, Regen verändert Materialien, ein Ast lässt sich nicht beliebig formen, der Untergrund ist uneben, Licht und Temperatur wechseln 

Kunstbasierte Begleitung bei Trennungen.

Eine Trennung beendet eine Beziehung, aber sie beendet nicht sofort die innere Verbindung zu einem Menschen. Vielleicht braucht gerade dieser Übergang einen Raum, in dem nicht nur gesprochen, sondern auch gestaltet werden darf.

 

Welche Rolle spielt kunstbasierte Begleitung in der Begleitung von Menschen im Alter?

Vielleicht verändert das Alter nicht nur den Menschen. Vielleicht verändert es auch die Fragen, die ein Mensch an sein Leben stellt. Und genau dort kann kreatives Gestalten einen Raum eröffnen, in dem nicht Antworten im Vordergrund stehen, sondern neue Erfahrungen.

Welche Rolle spielt kunstbasierte Begleitung in der Arbeit mit Kindern?

Kinder müssen Kreativität nicht lernen. Sie bringen sie mit. Die eigentliche Frage lautet deshalb: Wie können wir verhindern, dass wir sie ihnen ungewollt aberziehen?
Wer Kindern beim Spielen zusieht, entdeckt etwas Erstaunliches. Ein Ast wird zum Zauberstab. Ein Karton verwandelt sich in ein Raumschiff. Ein paar Steine werden zu einer ganzen Stadt

 

Welche Rolle kann kunstbasierte Begleitung im Coaching spielen?

Wir gehen häufig davon aus, dass Erkenntnis vor allem durch Denken entsteht: erst verstehen, dann handeln. Doch unser Gehirn arbeitet selten in dieser geordneten Reihenfolge. Es sammelt Erfahrungen, reagiert auf Wahrnehmungen, prüft Möglichkeiten und verändert fortlaufend seine eigenen Modelle der Welt. Mit anderen Worten: Wir denken durch Erfahrungen. Genau hier eröffnet kunstbasierte Begleitung eine zusätzliche Möglichkeit. Sie ersetzt kein Gespräch, aber sie ergänzt es.

Wann macht kunstbasierte Begleitung Sinn?

„Ich kann gar nicht malen.“ Diesen Satz höre ich regelmäßig. Und fast immer folgt ihm ein entschuldigendes Lächeln – als müsste man sich dafür rechtfertigen, nicht kreativ genug zu sein. Dabei beginnt genau hier ein Missverständnis. Kunstbasierte Begleitung setzt weder künstlerisches Talent noch gestalterische Erfahrung voraus. Sie interessiert sich nicht dafür, ob ein Bild schön ist oder technisch überzeugt. Entscheidend ist etwas anderes: der Prozess.

Was ist kunstbasierte Begleitung?

Manchmal genügt ein Blatt Papier. Es liegt einfach da. Weiß. Still. Es fordert nichts. Und doch geschieht etwas Merkwürdiges. Die eine Person greift sofort nach einem Stift. Eine andere betrachtet das Blatt lange, als müsste sie erst eine Erlaubnis finden. Wieder jemand anders dreht es um, legt es zur Seite oder beginnt ein Gespräch, bevor überhaupt ein erster Strich entsteht.

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