26.10.2026
Eine Frau sitzt vor einem großen Blatt Papier. Sie hat sich für Blau und Gelb entschieden und beginnt zu malen. Zunächst entstehen breite Farbflächen, dann kleinere Formen. An einer Stelle
überlagern sich die Farben, und ein Grün entsteht, das sie nicht erwartet hat. Sie hält inne, betrachtet die Veränderung und malt weiter.
Die begleitende Person beobachtet aufmerksam. Sie fragt nicht, warum die Frau Blau gewählt hat, und deutet die entstandenen Formen nicht als Ausdruck einer bestimmten Gefühlslage. Stattdessen lässt
sie ihr Zeit, den eigenen Gestaltungsprozess fortzusetzen. Eine solche Situation könnte sowohl in der Personenorientierten Maltherapie als auch in der kunstbasierten Begleitung stattfinden. Beide
Ansätze nehmen ernst, dass Menschen während des Malens Erfahrungen machen, die sich nicht vollständig durch Sprache ersetzen lassen. Beide können auf vorschnelle Bilddeutungen verzichten und die
Eigenständigkeit der gestaltenden Person achten. Dennoch sind sie nicht identisch.
Die Personenorientierte Maltherapie ist ein eigenständiger, methodisch geprägter Ansatz, der insbesondere mit Bettina Egger verbunden ist. Kunstbasierte Begleitung, wie ich sie verstehe, ist dagegen
ein breiter angelegtes Konzept für die Arbeit in Bildung, Coaching, Beratung und persönlicher Entwicklung. Gerade weil sich beide Ansätze in ihrer Haltung nahestehen, lohnt es sich, genauer
hinzusehen. Was geschieht, wenn wir nicht das fertige Bild, sondern die Begegnung zwischen Mensch, Material und begleitender Person in den Mittelpunkt stellen?
Personenorientierte Maltherapie: Der Mensch steht im Mittelpunkt
Die Personenorientierte Maltherapie, häufig mit PMT abgekürzt, wurde von Bettina Egger entwickelt und später insbesondere gemeinsam mit Jörg Merz weiter ausgearbeitet. Sie ist im Umfeld der
Ausdrucksmalerei entstanden, hat jedoch ein eigenes methodisches Profil entwickelt. Im Zentrum steht nicht die ästhetische Qualität des Bildes, sondern der Mensch, der malt. Die Aufmerksamkeit
richtet sich auf den gegenwärtigen Malprozess, auf das konkrete Vorgehen und auf die Beziehung zwischen der malenden und der begleitenden Person. Die Begleitung soll dabei helfen, den
Gestaltungsprozess wahrzunehmen und fortzuführen. Sie orientiert sich an dem, was tatsächlich geschieht, statt dem Bild von außen eine verborgene Bedeutung zuzuschreiben. Das ist ein wichtiger
Unterschied zu populären Vorstellungen von Maltherapie. Ein rotes Bild bedeutet nicht automatisch Wut. Eine schwarze Fläche ist kein zuverlässiger Hinweis auf Traurigkeit, und eine kleine Figur
beweist keine Unsicherheit. Solche Deutungen würden die Komplexität einer Gestaltung auf vermeintlich allgemeingültige Symbole reduzieren. In der Personenorientierten Maltherapie steht vielmehr die
konkrete malende Person im Vordergrund. Hier besteht eine grundlegende Gemeinsamkeit mit der kunstbasierten Begleitung. Auch sie betrachtet ein Bild nicht als psychologischen Test, aus dem sich
Eigenschaften, Konflikte oder Bedürfnisse unmittelbar ablesen ließen. Die Bedeutung einer Gestaltung lässt sich nicht unabhängig von der Person bestimmen, die sie geschaffen hat. Die gemeinsame
Haltung: Nicht das Bild beurteilen, sondern den Menschen begleiten
Ein wesentliches verbindendes Element ist die Haltung gegenüber der gestaltenden Person. Sowohl die Personenorientierte Maltherapie als auch die kunstbasierte Begleitung können einen Rahmen
schaffen, in dem Menschen ohne ästhetischen Leistungsdruck arbeiten. Es geht nicht darum, ein besonders schönes oder technisch gelungenes Bild herzustellen. Entscheidend ist, dass die Person eigene
Entscheidungen treffen und Erfahrungen im Umgang mit dem Material machen kann. Dazu gehört auch, dass die begleitende Person nicht vorschnell korrigiert. Wenn eine Farbe verläuft, eine Form anders
entsteht als geplant oder ein Bild zunächst unvollständig erscheint, muss nicht sofort eingegriffen werden. Vielleicht möchte die malende Person die Veränderung aufgreifen. Vielleicht möchte sie sie
korrigieren oder zunächst betrachten. Eine professionelle Begleitung lässt Raum für diese Entscheidung. Allerdings bedeutet Zurückhaltung nicht, dass die begleitende Person passiv bleibt. Sie sorgt
für Orientierung, achtet auf den Verlauf und bietet Unterstützung an, wenn diese notwendig oder erwünscht ist. Die gemeinsame Haltung lässt sich deshalb so beschreiben:
Die gestaltende Person soll nicht den Vorstellungen der Begleitung folgen müssen. Die Begleitung richtet ihre Aufmerksamkeit auf den Menschen und seinen tatsächlichen Gestaltungsprozess.
Das Material als Gegenüber
Eine weitere Verbindung liegt in der Bedeutung des Materials. Beim Malen begegnet die Person nicht nur ihren eigenen Vorstellungen, sondern auch den Eigenschaften von Farbe, Papier und Werkzeug. Ein
Pinsel hinterlässt andere Spuren als ein Spachtel. Flüssige Farbe verhält sich anders als eine pastose. Ein trockener Untergrund eröffnet andere Möglichkeiten als ein feuchter. Diese Unterschiede
beeinflussen, wie sich ein Bild entwickelt. Stellen wir uns vor, eine Person möchte eine gleichmäßige Farbfläche malen. Während sie arbeitet, entstehen sichtbare Pinselspuren. Sie kann nun versuchen,
die Fläche weiter zu glätten. Sie kann die Spuren stehen lassen oder ihre ursprüngliche Absicht verändern. Das Material hat auf ihre Handlung reagiert. In meinem Konzept der kunstbasierten Begleitung
bezeichne ich diesen Zusammenhang als Antwort des Materials.
Damit ist keine eigenständige Absicht des Materials gemeint. Der Begriff beschreibt die sicht- oder spürbare Veränderung, die aus einer Handlung unter bestimmten materiellen Bedingungen entsteht. Die
Person nimmt diese Veränderung wahr und entscheidet, wie sie weiterarbeiten möchte. Dieser Zusammenhang bildet den Resonanzkreis: Handlung, Materialantwort, Wahrnehmung und erneute
Entscheidung.
Auch die Personenorientierte Maltherapie richtet ihre Aufmerksamkeit auf das konkrete Geschehen beim Malen. Allerdings beschreibt sie den Prozess innerhalb ihres eigenen methodischen Verständnisses.
Die Begriffe sind deshalb nicht einfach austauschbar.
Die Gemeinsamkeit besteht darin, dass beide Ansätze die tatsächliche Begegnung mit dem Material ernst nehmen, statt das Bild ausschließlich als Darstellung innerer Zustände zu betrachten.
Begleiten heißt nicht, alles geschehen zu lassen
Gerade an der Rolle der begleitenden Person wird die Nähe zwischen beiden Ansätzen deutlich. In der Personenorientierten Maltherapie ist die Begleitung nicht lediglich eine beobachtende Anwesenheit.
Sie kann den Malprozess durch konkrete, auf das Geschehen bezogene Interventionen unterstützen. Welche Intervention angemessen ist, ergibt sich aus dem methodischen Vorgehen und der jeweiligen
Situation. Kunstbasierte Begleitung kennt ebenfalls eine aktive Verantwortung für den Prozess. Die begleitende Person wählt Materialien aus, gestaltet Aufgabenstellungen, achtet auf räumliche und
zeitliche Bedingungen und unterstützt die Orientierung. Sie kann beispielsweise bemerken, dass jemand mit einem Material nicht weiterkommt, und eine Alternative anbieten. Dabei ist jedoch
entscheidend, wie diese Unterstützung erfolgt. Ein Hinweis wie „Vielleicht wäre es besser, wenn Sie die Fläche heller gestalten“ lenkt die Person in eine bestimmte ästhetische Richtung. Eine Frage
wie „Möchten Sie bei dieser Technik oder diesem Material bleiben oder etwas anderes ausprobieren?“ eröffnet dagegen eine Entscheidung. Der Unterschied erscheint klein, aber bedeutsam. Professionelle
Begleitung besteht nicht darin, jede Schwierigkeit zu beseitigen. Sie besteht darin, zu erkennen, wann Unterstützung den Handlungsspielraum erweitert und wann sie ihn ungewollt einschränkt.
Warum beide Ansätze auf vorschnelle Bilddeutungen verzichten
Die Zurückhaltung gegenüber symbolischen Bildinterpretationen ist eine besonders wichtige Gemeinsamkeit. In vielen alltäglichen Vorstellungen über das Malen wird angenommen, Farben, Formen oder
räumliche Anordnungen verrieten etwas über die Persönlichkeit eines Menschen. Solche Zuschreibungen sind problematisch, weil sie den Entstehungszusammenhang eines Bildes außer Acht lassen. Eine
dunkle Fläche kann aus einer Vorliebe für bestimmte Farben entstehen, aus einem technischen Experiment oder aus der Entscheidung, eine andere Farbe zu überdecken. Sie kann eine persönliche Bedeutung
besitzen, muss es aber nicht. Die Personenorientierte Maltherapie richtet ihre Aufmerksamkeit auf den konkreten Malprozess und die Person, die ihn erlebt.
Kunstbasierte Begleitung geht ebenfalls davon aus, dass persönliche Bedeutungen nicht aus allgemeinen Symbolregeln abgeleitet werden dürfen. Wenn eine Person über ihr Bild sprechen möchte, kann die
Begleitung nach ihren Wahrnehmungen und Entscheidungen fragen. „Was haben Sie an dieser Stelle verändert?“ „Wie war es für Sie, als die Farbe verlaufen ist?“ „Möchten Sie etwas zu diesem Teil Ihrer
Gestaltung sagen?“
Solche Fragen lassen unterschiedliche Antworten zu. Sie unterstellen nicht, dass ein bestimmtes Bildmerkmal eine festgelegte psychologische Bedeutung besitzt. Dabei sollte allerdings auch das
Gespräch nicht zur Pflicht werden. Manche Erfahrungen bleiben zunächst ohne Worte. Andere sind für die Person so selbstverständlich, dass sie keiner weiteren Erklärung bedürfen. Nicht jedes Bild muss
besprochen werden.
Wo sich die Ansätze unterscheiden: Der methodische Rahmen
Trotz der gemeinsamen Haltung gibt es wichtige Unterschiede. Die Personenorientierte Maltherapie ist ein spezifischer Ansatz mit einer eigenen Methodik, Ausbildungstradition und fachlichen
Begrifflichkeit. Sie arbeitet mit bestimmten Vorstellungen darüber, wie Malprozesse begleitet werden können und welche Bedeutung der unmittelbaren Arbeit am Bild zukommt. Kunstbasierte Begleitung ist
in meinem Verständnis dagegen bewusst breiter angelegt. Sie beschränkt sich weder auf das Malen noch auf eine einzelne Methode. Neben Aquarell, Gouache oder Acryl können auch Ton, Papier, Kohle,
Collage, Naturmaterialien, Fotografie oder plastische Werkstoffe eingesetzt werden. Diese Materialien eröffnen unterschiedliche Gestaltungsmöglichkeiten. Ton lässt sich formen und wieder
zusammendrücken. Papier kann gefaltet, gerissen oder geschnitten werden. Kohle ermöglicht Spuren, die sich verwischen und teilweise wieder abnehmen lassen. Die Auswahl orientiert sich nicht allein an
einer bevorzugten Technik, sondern an der Person, ihrem Anliegen und den Bedingungen des jeweiligen Settings. Auch die Ziele unterscheiden sich.
Personenorientierte Maltherapie wird innerhalb eines maltherapeutischen Ansatzes eingesetzt. Welche fachlichen und rechtlichen Voraussetzungen für eine therapeutische Behandlung gelten, hängt vom
jeweiligen Tätigkeitsfeld ab. Kunstbasierte Begleitung verfolgt dagegen in meinem Konzept keine diagnostischen oder heilkundlichen Ziele. Sie richtet sich auf Wahrnehmung, Selbstbestimmung, Bildung,
Beratung und die Erweiterung persönlicher oder sozialer Handlungsmöglichkeiten. Damit ist nicht gesagt, dass sich die praktischen Tätigkeiten immer deutlich unterscheiden. Zwei Menschen können
äußerlich sehr ähnlich malen und dennoch in unterschiedlichen professionellen Zusammenhängen begleitet werden. Die Unterschiede liegen dann nicht unbedingt im Bild, sondern in Zielsetzung, Auftrag,
Intervention und Verantwortung.
Reflexion: Was geschieht nach dem Malen?
Ein besonders interessanter Unterschied betrifft die Frage, welche Rolle das anschließende Gespräch spielt. In der kunstbasierten Begleitung kann eine gestalterische Erfahrung zum Ausgangspunkt
weiterer Reflexion werden. Stellen wir uns eine Person vor, die während des Malens mehrfach versucht, eine Farbfläche zu verändern. Sie übermalt, korrigiert und beginnt schließlich an einer anderen
Stelle neu.
Bei der Betrachtung sagt sie: „Ich habe die ganze Zeit versucht, das wieder hinzubekommen. Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich auch einfach anders weitermachen kann.“ Die begleitende Person könnte
fragen: „Was hat sich für Sie verändert, als Sie sich für diesen anderen Weg entschieden haben?“ Vielleicht bleibt das Gespräch bei der gestalterischen Erfahrung. Vielleicht stellt die Person selbst
eine Verbindung zu ihrem Alltag her. Möglicherweise beschäftigt sie sich gerade mit einer beruflichen Entscheidung und erkennt eine Ähnlichkeit zwischen ihrem Vorgehen beim Malen und einer Situation
außerhalb des Ateliers. Diese Verbindung darf jedoch nicht von der begleitenden Person behauptet werden. Sie entsteht, wenn die gestaltende Person selbst einen Zusammenhang erkennt und ihn
weiterverfolgen möchte.
Die Personenorientierte Maltherapie setzt demgegenüber einen besonderen Schwerpunkt auf die Begleitung des unmittelbaren Malgeschehens. Das bedeutet nicht, dass dort grundsätzlich nicht gesprochen
oder reflektiert würde. Entscheidend ist vielmehr, welche Funktion solche Gespräche innerhalb der jeweiligen Methode erhalten. Kunstbasierte Begleitung kann die Reflexion und den möglichen Transfer
in andere Lebensbereiche ausdrücklich in ihren Auftrag aufnehmen. Sie muss es aber nicht in jedem einzelnen Prozess tun. Eine gestalterische Erfahrung darf für sich stehen. Sie kann jedoch auch zum
Ausgangspunkt einer weiterführenden persönlichen Erkenntnis werden.
Was kunstbasierte Begleitung von der Personenorientierten Maltherapie lernen kann
Besonders wertvoll erscheint mir die konsequente Aufmerksamkeit für das, was während des Malens tatsächlich geschieht. Begleitende können leicht versucht sein, schon während einer Gestaltung nach
Bedeutungen, Lösungen oder möglichen Erkenntnissen zu suchen. Dabei besteht die Gefahr, den gegenwärtigen Prozess aus dem Blick zu verlieren. Die Personenorientierte Maltherapie erinnert daran, dass
zunächst die konkrete Handlung Aufmerksamkeit verdient. Wie arbeitet die Person mit dem Material? Wo hält sie inne? Welche Veränderungen nimmt sie vor? Welche Unterstützung braucht sie, um ihren
eigenen Weg fortzusetzen? Ebenso wichtig ist die Zurückhaltung gegenüber vorschnellen Interpretationen. Das Bild muss nicht entschlüsselt werden. Die gestaltende Person muss keine verborgene
Botschaft entdecken. Ein dritter Lernpunkt betrifft die Qualität der Beziehung. Professionelle Begleitung besteht nicht nur aus geeigneten Methoden. Sie zeigt sich auch darin, wie aufmerksam,
respektvoll und verlässlich eine Person während des Gestaltens begleitet wird. Dabei ist die Nähe zur Personenorientierten Maltherapie kein Grund, beide Ansätze gleichzusetzen.
Kunstbasierte Begleitung kann von ihrer Haltung und einzelnen methodischen Überlegungen lernen, ohne daraus eine maltherapeutische Behandlung zu machen.
Was kunstbasierte Begleitung darüber hinaus entwickelt
Kunstbasierte Begleitung verbindet die Aufmerksamkeit für das unmittelbare Gestalten mit einer breiteren Betrachtung der Bedingungen, unter denen kreative Prozesse entstehen. Dazu gehören nicht nur
die Eigenschaften des Materials, sondern auch der Raum, die Aufgabenstellung, die zeitliche Struktur und die soziale Situation. Ein und dieselbe Malaufgabe kann unterschiedliche Erfahrungen
ermöglichen, je nachdem, ob jemand allein arbeitet oder in einer Gruppe, ob Materialien frei zugänglich sind oder erst angefordert werden müssen und ob ein Werk später gezeigt werden soll. Auch die
Möglichkeit, einen Prozess abzubrechen, zu verändern oder auf ein anderes Material auszuweichen, gehört zum Gestaltungsspielraum. Die begleitende Person muss deshalb nicht nur das Bild und die
malende Person wahrnehmen. Sie sollte auch die Bedingungen beachten, die bestimmte Handlungen erleichtern oder erschweren.
Darüber hinaus kann kunstbasierte Begleitung kreative Erfahrungen mit Fragen aus Bildung, Beratung oder Coaching verbinden. Dabei bleibt entscheidend, dass solche Verbindungen nicht erzwungen werden.
Nicht jede Materialerfahrung ist eine persönliche Erkenntnis. Nicht jede Entscheidung am Bild lässt sich auf das Leben übertragen. Aber manche Erfahrungen können Menschen dabei unterstützen, eigene
Handlungsmöglichkeiten bewusster wahrzunehmen.
Zwei Ansätze, eine gemeinsame Achtung vor dem Gestaltungsprozess
Personenorientierte Maltherapie und kunstbasierte Begleitung verbindet mehr als die Verwendung von Farbe und Papier. Beide können den Menschen als aktiv gestaltende Person ernst nehmen, die eigene
Entscheidungen trifft und Erfahrungen im Umgang mit Material macht. Beide können auf ästhetischen Leistungsdruck und vorschnelle symbolische Deutungen verzichten. Und beide verlangen von der
begleitenden Person die Fähigkeit, aufmerksam zu sein, ohne den Prozess vollständig bestimmen zu wollen.
Die Unterschiede liegen vor allem im methodischen Rahmen, in der Materialvielfalt und in den jeweiligen professionellen Zielsetzungen.
Die Personenorientierte Maltherapie konzentriert sich auf das Malen innerhalb ihres eigenen methodischen und therapeutischen Verständnisses. Kunstbasierte Begleitung nutzt unterschiedliche
gestalterische Tätigkeiten als Erfahrungs- und Reflexionsmöglichkeiten in Bildung, Coaching und Beratung. Gerade deshalb kann sie von der Personenorientierten Maltherapie lernen, ohne mit ihr
identisch zu werden.
Die wichtigste Gemeinsamkeit liegt in einer einfachen, aber anspruchsvollen Haltung: Wir müssen ein Bild nicht erklären, um den Menschen ernst zu nehmen, der es gestaltet. Manchmal besteht gute
Begleitung darin, eine Frage zu stellen. Manchmal darin, ein geeignetes Material bereitzuhalten. Und manchmal darin, aufmerksam anwesend zu bleiben, während ein Mensch seinen eigenen nächsten Schritt
findet.