Kluge Ideen für ein bunteres Leben
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Kunstbasierte Begleitung für die Arbeit mit Gruppen

20.08.2026

Beim Einzelsetting entsteht der kreative Prozess vor allem im Zusammenspiel von Person, Aufgabe, Material, Raum und Begleitung. In der Gruppe wirken zusätzlich die anderen Menschen auf Wahrnehmung, Entscheidungen und Gestaltung ein. Man beobachtet, lässt sich anregen, grenzt sich ab, vergleicht sich, übernimmt eine Idee oder entwickelt bewusst etwas völlig anderes. Das macht Gruppenprozesse besonders interessant.

 

Die Gruppe erweitert den Prozessraum
Schon bevor gestaltet wird, wirkt die Gruppe. Eine Person beginnt sofort, eine andere wartet ab. Jemand arbeitet groß und raumgreifend, während eine andere Person eine kleine geschützte Fläche wählt. Manche möchten während des Gestaltens sprechen, andere benötigen Ruhe. Damit entsteht ein gemeinsamer Prozessraum, innerhalb dessen gleichzeitig sehr unterschiedliche individuelle Prozesse stattfinden.
Kunstbasierte Begleitung muss deshalb zwei Ebenen im Blick behalten: Was geschieht mit der einzelnen Person – und was geschieht zwischen den Menschen?

 

Drei Formen sind besonders sinnvoll
Kunstbasierte Gruppenarbeit kann unterschiedlich organisiert werden. 
Bei individueller Gestaltung in der Gruppe arbeiten alle an einem eigenen Werk, erleben aber gleichzeitig die Anwesenheit und Resonanz der anderen. 
Beim parallelen Gestalten zu einer gemeinsamen Fragestellung erhalten alle denselben Impuls, entwickeln daraus jedoch individuelle Wege. 
Besonders dynamisch wird es beim gemeinsamen Gestalten, wenn mehrere Personen an einem Werk oder in einem gemeinsamen Raum arbeiten.

Gerade die letzte Variante macht Gruppendynamik unmittelbar erfahrbar.

  • Wer entscheidet?
  • Wer beginnt?
  • Wer nimmt Raum ein?
  • Wer wartet?
  • Darf ich etwas verändern, das jemand anderes gestaltet hat?
  • Muss alles abgestimmt werden?
  • Was geschieht, wenn meine Idee nicht aufgegriffen wird?

 

Plötzlich werden Themen wie Kooperation, Autonomie, Grenzen, Führung, Kommunikation und Konflikt nicht nur besprochen – sie ereignen sich im Gestaltungsprozess.

Das Material wird zum gemeinsamen Bezugspunkt
Dabei entsteht ein interessanter Effekt: Die Aufmerksamkeit richtet sich nicht mehr ausschließlich auf die anderen Gruppenmitglieder. Zwischen den Menschen befindet sich etwas Drittes: das entstehende Werk.
Das kann Gruppensituationen entlasten. Statt unmittelbar zu sagen: „Du lässt mir keinen Raum“, kann zunächst wahrgenommen werden: „Ich merke, dass ich auf dieser Fläche kaum noch einen Platz für meine Gestaltung finde.“ Das Werk macht etwas sichtbar, begreifbar und besprechbar, ohne dass daraus automatisch eine Interpretation werden muss. Genau hier passt dein Grundgedanke des Interpretationsverzichts besonders gut: Nicht das Bild wird gedeutet, sondern der gemeinsam erlebte Prozess reflektiert.

 

Der Resonanzkreis erweitert sich
Ein Gruppenmitglied setzt beispielsweise eine kräftige rote Fläche auf ein gemeinsames Papier. Das Material verändert sich – gleichzeitig reagieren die anderen. Jemand ergänzt die Fläche, jemand zieht sich zurück, ein anderer setzt bewusst eine Gegenfarbe daneben. Jede Handlung verändert damit nicht nur das Werk, sondern auch die Bedingungen für die nächsten Handlungen der anderen.
Gerade das macht kunstbasierte Gruppenprozesse ausgesprochen interessant.

 

Die Begleitung wird anspruchsvoller
Allerdings ist Gruppenarbeit nicht einfach, die Anforderungen an die Begleitung steigen. Sie muss darauf achten, dass dominantere Personen nicht den gesamten Gestaltungsraum bestimmen, zurückhaltende Menschen Beteiligungsmöglichkeiten behalten und unterschiedliche Arbeitsgeschwindigkeiten möglich sind. Ebenso wichtig sind klare Vereinbarungen: Darf in die Gestaltung anderer eingegriffen werden? Wem gehört ein Gemeinschaftswerk? Muss darüber gesprochen werden? Darf jemand nicht mitmachen oder sich zeitweise zurückziehen? Je offener die Aufgabe, desto wichtiger wird häufig der Rahmen.

 

Nicht jedes Gruppenbild muss Gemeinschaft erzeugen
Ein weiterer Punkt ist mir wichtig: Kunstbasierte Gruppenarbeit sollte nicht automatisch auf Harmonie zielen. Ein gemeinsames Bild muss nicht „schön zusammenpassen“. Unterschiede dürfen sichtbar bleiben. Menschen dürfen nebeneinander arbeiten. Nicht jede Spannung muss sofort aufgelöst werden.


Gerade darin kann eine wertvolle Erfahrung liegen: Gemeinschaft bedeutet nicht Gleichheit. Und genau deshalb passt Gruppenarbeit sehr gut zu meinem Ansatz. Sie erweitert kunstbasierte Begleitung um eine neue Dimension: Neben der Beziehung zum eigenen Gestalten und zum Material entsteht die Resonanz mit anderen Menschen.

 

 

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